Wir starten am Hausmannsturm am Westende der Innenstadt. Auf diesen kommen wir im Rundgang über den Wall zurück. Zunächst folgen wir Helmstedts Hauptgeschäftsstraße, der Neumärker Straße. Seit 1965 ist sie Fußgängerzone. Ihr Name ist der westlichen Vorstadt, der Neumark, entlehnt. Heute ist der Name Neumark komplett aus dem Gebrauch verschwunden, aber die Straße hat ihren Namen behalten.
Dieses als Kaufhaus konzipierte Gebäude sprengt einerseits die Dimensionen der umgebenden Häuser, wirkt aber durch einige Jugendstilelemente nicht allzu schwer. Hinter der Front verbirgt sich eine Passage aus der Nachwende-Zeit mit dem einzigen Supermarkt der Innenstadt, außerdem einem Café, Parfümerie, Optiker und Arztpraxen.

Die Neumärker Straße bringt uns zum Markt, einem der schönsten Plätze der Stadt.

Das reich geschmückte Fachwerkhaus am Platz wird als Herzogliches Hoflager – weil Herzog Julius bei seinen Besuchen der Stadt hier weilte – oder – nach einem seiner Besitzer – als Rohrsches Haus bezeichnet.

Größtes Gebäude am Platz ist das Rathaus, das 1906 fertiggestellt wurde. Wie das einige Jahre vorher entstandene Braunschweiger Rathaus ist es neogotisch.

Wir gehen von hier durch einige Gassen der Altstadt, in denen sich Fachwerk- und gemauerte Häuschen abwechseln.

Sowohl die Bindegasse als auch weiter nördliche Badergasse – beides Verbindungen zwischen Bötticher- und Stobenstraße – zeichnen sich dadurch aus, dass das Straßenpflaster denkmalgeschützt ist.
Das archaische Gebäude an der Stobenstraße ist das Amtsgericht und war es auch schon Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit seinen rohen Sandsteinfassaden könnte es auch im Münsterland stehen.

Eine der ersten Universitäten Norddeutschlands war die Academia Julia. Namensgeber ist Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, der sie 1576 ins Leben rief. Das prachtvolle Hauptgebäude – Juleum genannt – wurde 1594-1612 unter der Regierung seines Sohns Heinrich Julius gebaut. Eine größere Wertschätzung für diese Institution kann man sich schwer vorstellen. Architekt war übrigens Paul Francke, der später auch die Marienkirche in Wolfenbüttel und Schloss Salder in Salzgitter plante.

Das Hauptportal stellt – wie das Portal des Marino-Catharineum in Braunschweig – die Sieben Freien Künste dar (von denen heute allerdings zwei fehlen).

Aber auch das Nebenportal am Hauptgebäude und ein Portal an einem Nebengebäude fallen ins Auge.
Helmstedt war zeitweise eine der größten Universitäten im Heiligen Römischen Reich: 559 Immatrikulationen allein im Jahr 1616. Unter den protestantischen Universitäten sollte aber im Laufe der Zeit Konkurrenz entstehen z. B. durch Kiel (1665), Halle (1694), Göttingen (1737). Damit gingen auch die Studentenzahlen zurück.
Während der napoleonischen Kriege geriet Helmstedt als Teil des Königreichs Westphalen unter die Herrschaft von Jérôme Bonaparte (Bruder Napoleons). Dieser ließ 1810 die Universität schließen.
An die einstige Universität erinnern abgesehen von den eigentlichen Universitätsgebäuden die Professorenhäuser, von denen einige mit Plaketten an die einstigen prominenten Bewohner erinnern.
Nach einer Erkundung der nördlichen Innenstadt gelangen wir schließlich zur St.-Stephani-Kirche, der Hauptkirche Helmstedts. Seltsamerweise hat gerade sie keinen Glockenturm – vielleicht weil die Stadt ansonsten über genügend Türme verfügt? Gebaut wurde sie von 1230-1300, nachdem der Vorgängerbau 1200 während kriegerischer Auseinandersetzungen niedergebrannt war.

Auch der Innenraum lohnt einen Besuch. Der Orgelprospekt stammt noch aus dem Jahr 1584, auch wenn die Orgel dahinter modern ist. Er wurde also kurz nach der Eröffnung der Universität eingebaut, was wohl damit zusammenhängt, dass die Kirche Universitätskirche wurde. Ebenso ein Produkt der Renaissance ist die Kanzel, die 1596 gestiftet wurde und auf einer Mosesfigur ruht.


Endpunkt unseres Spaziergangs ist das Zonengrenzmuseum. Auch wenn es heute einen anderen Eindruck macht, wurde dieses klassizistische Gebäude 1825-1827 als Privatvilla errichtet.
Karte
Weiter geht’s
Bildquellen
- [Karte] OpenStreetMap
OpenStreetMap-Mitwirkende
Open Data Commons Open Database License



