Vorstadt

Wir starten unseren Spaziergang am Bahnhof. Das Empfangsgebäude ist im Kern noch von ca. 1883 [1]. Seine Planung war mit der Eröffnung der Bahnstrecke Braunschweig – Helmstedt – Magdeburg im Jahr 1872 notwendig geworden (in BAHN gehe ich näher darauf ein). Schon seit 1858 hatte es eine Stichbahn Jerxheim – Helmstedt gegeben, um den bei Helmstedt gelegenen Braunkohle-Tagebau anzubinden. Das Bahnhofsgebäude aus dieser Zeit gibt es auch noch – es liegt am östlichen Ende der Bahnhofstraße neben der Aral-Tankstelle.

Bahnhof Helmstedt Ende des 19. Jahrhunderts

Aus topographischen Gründen liegt die Bahnlinie einige Meter unterhalb der südlichen Innenstadt. Deshalb müssen wir nach Nordwesten erst einmal ein paar Treppenstufen überwinden. Bombastisch wirkt von unten gleich das Gebäude der Commerzbank. Zur Bauzeit hat man sich nicht gescheut herauszustellen, wie Kontogebühren investiert werden. In dem Relief sieht man das Magdeburger Stadtwappen (ein redendes Wappen: Magd auf Burg = Magdeburg).

Commerzbank Fassade

Über dem Haupteingang ist das Stadtwappen von Helmstedt abgebildet. Es soll den Heiligen Ludgerus darstellen (das wiederum hat seinen Grund darin, dass die Äbte des Ludgeri-Klosters im Mittelalter auch Herrscher der Stadt waren). Hier kann man auch das Baujahr ablesen: 1909.

Commerzbank Portal

Der Johannesstraße folgenden, kommen wir an einem weiteren Bankgebäude vorbei: Nummer 13A war ursprünglich Sitz einer Niederlassung der Reichsbank, fertiggestellt 1913. Die Reliefs hier sind Allegorien auf die Kontinente Asien, Amerika, Asien und Europa. Architekt war Julius Habicht, der als Baudirektor der Reichsbank für zahlreiche weitere Gebäude im damaligen Deutschen Reich verantwortlich zeichnet.

Relief I Johannesstraße 13A
Relief II Johannesstraße 13A

Allmählich kommen wir in das Helmstedter Villenviertel. Gleich das nächste Haus (Johannesstraße 13) – 1897 als Privatvilla fertiggestellt – zeigt ein paar beliebte Gestaltungselemente: teilweise offenliegendes Backstein-Mauerwerk, teilweise Putz, im Obergeschoss Fachwerk.

Johannesstraße 13

Der Name der Straße ist übrigens nicht mit einem Nach-, sondern einem Vornamen verbunden: es ehrt Johannes Dieckmann, Stifter eines Waisenhausfonds. Genau wie in Braunschweig gibt es das Waisenhaus in der Form nicht mehr, die Stiftung existiert aber nach wie vor. Auf dem Gelände des einstigen Waisenhauses an der Walbecker Straße gibt es heute einen Heilpädagogischen Kindergarten der Lebenshilfe.

Durch die Straße „In der Meerbreite“ kommen wir zur Dr.-Heinrich-Jasper-Straße. Die Meerbreite hat nichts mit dem Meer zu tun. Auf älteren Karten wird als Flurname „Die grosse Mährbreite“ angegeben, er wird also eher etwas mit einer Pferdeweide zu tun haben.

Die Villa an auf der Gustav-Steinbrecher-Straße, auf die wir geradewegs zugehen, ist von 1906, die angebaute Holzveranda wurde vier Jahre später ergänzt. Die Fenster im oberen Geschoss sind sicherlich vom Jugendstil beeinflusst.

Gustav-Steinbrecher-Straße 21

Aus der gleichen Zeit ist dieses Haus an der Ecke zur Bülowstraße.

Gustav-Steinbrecher-Straße 17

Von hier kann man erahnen, dass Helmstedt für eine norddeutsche Stadt nicht gerade eben ist: der Teil der Stadt, den man im Norden sieht, liegt bis zu 20 m tiefer.

Die letztgenannten Straßen erinnern an sozialdemokratische Politiker im Freistaat Braunschweig während der Weimarer Republik: Heinrich Jasper war Ministerpräsident, Gustav Steinbrecher Minister in dessen Kabinett. Jasper starb im KZ Bergen-Belsen, Steinbrecher im KZ Mauthausen. Beide werden auch durch Straßennamen in der Stadt Braunschweig geehrt.

Die Parkanlage, die wir jetzt durchqueren, war früher mal ein Friedhof, wird aber schon lange nicht mehr so genutzt. Direkt nördlich schließt sich die Lademann-Realschule an. 1891-92 gebaut, war dies ursprünglich eine landwirtschaftliche Schule. Der heutige Name erinnert an die langjährige Direktorin Emmi Lademann (* 1890, † 1976).

Lademann-Realschule

Die Juliusstraße bringt uns zum Eingang in die Innenstadt.

Karte

GPX: Helmstedt-Vorstadt

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