Wir beginnen den Spaziergang an der Ecke Ottmerstraße/Schillstraße/Willy-Brandt-Platz. Hier gibt es zwei unmittelbar benachbarte Gedenkstätten. Die ältere ist das 1837 eingeweihte Denkmal für den preußischen Major Ferdinand von Schill und vierzehn weitere Soldaten, das später namensgebend für die Straße war. Schill war in den napoleonischen Kriegen Anführer eines Freikorps. Er wurde 1809 bei einem Aufstand bei Stralsund getötet. Daraufhin wurden vierzehn seiner Leute genau hier hingerichtet.
Das Denkmal wurde 28 Jahre später an der Stätte der Erschießungen eingeweiht; hier ist auch die Grabstätte der Hingerichteten. Im Laufe der Zeit wurde das Gedenken stets an die aktuelle Gesinnungslage gegenüber Frankreich angepasst. 1955 schließlich wurde der Gegenstand des Gedenkens erweitert: nun sollte es nicht nur um die napoleonischen Kriege gehen, sondern auch um die Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs – wohlgemerkt nur der deutschen.

Was man „vergessen“ hatte: direkt auf dem Gelände nebenan (heute der Parkplatz eines Einkaufszentrums) hatte es ein Außenlager des KZ Neuengamme gegeben. In mehreren Baracken waren von November 1944 bis fast zum Kriegsende Zwangsarbeiter untergebracht, die für Büssing-NAG in der Rüstungsproduktion eingesetzt wurden. Genau an dieser Stelle gab es also guten Grund für eine andere Gedenkkultur. Es dauerte bis zum Jahr 2000, dass man eine von der Künstlerin Sigrid Sigurdsson gestaltete Gedenkstätte KZ-Außenlager Braunschweig Schillstraße einrichtete. Neben Informationstafeln an der Abgrenzungsmauer wurde das ursprünglich zum Schill-Denkmal gehörende „Invalidenhäuschen“ (auch Schillkapelle genannt) zum Archiv umfunktioniert.

Das Gebäude auf der anderen Straßenseite ist unverkennbar Nazi-Architektur. Es wurde 1938 als Stabsgebäude für die 31. Infanteriedivision und das 31. Infanterieregiment gebaut. Heute ist die Nutzung friedlicher: zum einen findet sich hier ein Studienseminar (für die Lehrerausbildung während der Referendariatszeit), zum anderen mehrere kleinere Landesbehörden.

Das Marienstift an der Helmstedter Straße ist ein Krankenhaus, das seit 1883 mehrmals erweitert wurde. Seinen Ursprung hat es in einem Diakonissenhaus an der Wolfenbütteler Straße. Der Gebäudekomplex ist größer als die Straßenfront vermuten lässt – es gehört ein Altenpflegeheim und eine Ausbildungsstätte für Altenpfleger dazu.
Von der Straße fällt einem am ehesten die kleine Friedenskapelle von 1902 auf.

Nun geht es ein längeres Stück ohne weitere Zwischenziele an der Helmstedter Straße entlang.
1887 wurde der Hauptfriedhof an der Helmstedter Straße – damals noch unter dem Namen Centralfriedhof – eröffnet, der alle protestantischen Friedhöfe auf dem damaligen Stadtgebiet ablöste. Die neogotische Friedhofskapelle von stattlicher Größe wurde von Ludwig Winter entworfen. In dem länglichen und flachen Querbau ist eine Feierhalle untergebracht.

Das Mausoleum wurde für einen Ziegeleibesitzer gebaut. Die meisten Grabstätten auf diesem Friedhof sind maßvoller. An bedeutenden Persönlichkeiten fehlt es auf dem Hauptfriedhof freilich nicht: Wilhelm Raabe, Heinrich Büssing, Peter Wilhelm Friedrich von Voigtländer sind nur drei von ihnen.
Ein bemerkenswertes Bauwerk ist die jüdische Trauerhalle von 1914. Offenkundig ist sie – wenngleich erst Jahrzehnte nach der Eröffnung des Hauptfriedhofs gebaut – in die gesamte Landschaftsarchitektur durch eine als Allee gestaltete Sichtachse zur christlichen Kapelle integriert. Zu dieser Zeit war ein respektvoller Umgang mit der jüdischen Gemeinde noch (und wieder) möglich. Die jüdischen Grabstätten befinden sich nördlich dieser Allee. Als der jüdische Friedhof hier 1895 eingerichtet wurde, löste er den an der Hamburger Straße (direkt vor der Wasserwelt) ab.

Als der Hauptfriedhof eröffnet wurde, waren dort noch ausschließlich Erdbestattungen möglich. 1915 kam schließlich ein Krematorium hinzu, wobei auch hier Ludwig Winter den architektonischen Entwurf beisteuerte. Zu dieser Zeit war er bereits 72 Jahre alt, und im gleichen Jahr wurde er pensioniert. Da das Krematorium nicht nur für Braunschweig, sondern auch für die umgebenden Landkreise Umkreis zuständig ist, wurde der Gebäudekomplex inzwischen so erweitert, dass mehrere tausend Einäscherungen pro Jahr durchgeführt werden können.

Karte
GPX: Hauptfriedhof.gpx
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