Wir beginnen unseren Spaziergang am Kurt-Seeleke-Platz am Städtischen Museum. Von hier gibt es zwei Straßen mit dem Namen „Wall“: den Magnitor- und den Steintorwall. Ersterer heißt allerdings erst seit 1952 so: vorher war es der Sandweg. Obwohl auch der Steintorwall einige schöne Häuser aufweist, wählen wir den Magnitorwall.

Es gibt hier noch einige sehr verschiedenartige Wohnhäuser aus dem 19. Jahrhundert. Dieses an der Ecke zur Georg-Eckert-Straße von 1870 soll ursprünglich ein Pferdestall für das Husarenregiment gewesen sein.

Das Haus Magnitorwall 14 wurde 1974 dem Durchbruch der Georg-Eckert-Straße geopfert. Überlebt hat dagegen ein neugotisches Schulgebäude, ursprünglich eine Bürgerschule, heute Realschule. Das Bild auf der Fassade ist mir nicht klar: auf der rechten Seite kann man die von Fuchs und Rabe vermuten, aber was ist das auf der linken Seite?

Diagonal auf der anderen Seite der großen Kreuzung finden wir das Herzog-Anton-Ulrich-Museum.

Die Bildfriese an dem Gebäude sind sehenswert…


Aber vor allem ist die Gemäldesammlung in dem Museum einen Besuch wert!
Der an die Oker führende Eingang in den Museumspark führt bald an einem Hügel vorbei. Dieser geht auf ein Ravelin der Stadtbefestigung zurück. Bis Mitte der 2010er Jahren waren die beiden am schönsten gelegenen Cafés in Braunschweig das Café Klio…

…und das Café Okerterassen.

Beide lagen auf der dem Ravelin gegenüberliegenden Okerseite. Leider haben beide innerhalb kurzer Zeit geschlossen und eine nicht zu füllende Lücke hinterlassen.
Auf dem Weg zur dem Ravelin zugehörigen Bastion sehen wir das Museum noch einmal von hinten. In den Jahren nach 2008 hat es einen modernen Erweiterungsbau bekommen.

An der Oker entlang verbindet den Museumspark mit dem Theaterpark nur ein Tunnel.

In der Mitte zwischen den beiden Parks befindet sich das Große Haus des Staatstheaters. Der Brunnen davor wird abends beleuchtet. Wenn man den Blätterbrunnen in der Hannoverschen Innenstadt kennt, wird man vielleicht die Handschrift von Emil Cimiotti wiedererkennen, der viele Jahre an der HBK lehrte.

Der Großteil des Theaterparks besteht aus einem Hügel, wiederum eine ehemalige Bastion. In dem Reiseführer von Schröder und Assmann [1] von 1841 liest man:
Besonders interessant ist die in dem nördlichen Theile des Parkes befindliche Erhöhung. Von ihr ab erblickt man auf der einen Seite die Stadt mit ihren hohen Thürmen, auf der anderen Seite aber das Fallerslebertor mit der neuen Infanteriecaserne, den Nußberg mit Olfermanns Denkmale, das Dorf Riddagshausen mit seiner schönen Klosterkirche, weiterhin über grünende Felder und freundliche Dörfer hinaus, den Elm und in blauer Ferne den Harz mit dem Brocken.
Die Sicht in die Weite gibt es nicht mehr, aber immer noch hat man von diesem Hügel einen schönen Blick auf die tief darunter fließende Oker. Bei Schnee wählen die mutigeren Kinder diesen steilen Abhang zum Rodeln, es gibt im Park aber auch andere Möglichkeiten.

Zum Schluss führt uns der Weg am Umflutgraben der Oker entlang zur Fallersleber Straße. Dieser – inzwischen Hiroshima-Ufer genannte – Verbindungsweg ist erst 1977 freigegeben worden. Auf der gegenüberliegenden Seite der Oker sehen wir den Erweiterungsbereich des Botanischen Gartens.
Geschichte
Was heute als Theater- und Museumspark mit dem Staatstheater in der Mitte erscheint, war einmal ein zusammenhängender englischer Landschaftspark, Fürstlicher Park genannt. Entstanden ist er bei der Schleifung der Befestigungsanlagen der Stadt, durch die Anfang des 19. Jahrhunderts große Flächen an der Oker frei wurden. Während der größte Teil davon an Privatleute verkauft wurde, die dort zunächst Gartenhäuser bauen ließen, wurde gleich 1800 ein großes Areal, das sich über zwei ehemalige Bollwerke erstreckte, von der Herzogin erworben, um es der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Augusta war in London geboren und diejenige, für die Schloss Richmond gebaut worden war.
Den Auftrag für die Gestaltung des Parks bekam Johann George Gottlieb Schoch, der auch an neueren Teilen des Wörlitzer Parks gearbeitet hatte. Er legte den Park symmetrisch um ein Blumenoval an, das sich an der Stelle des heutigen Staatstheaters befand. An der Oker gab es eine Fähre, die den Besucher zum Herzoglichen Küchengarten auf der anderen Seite brachte (eine Brücke gab es in diesem Bereich noch nicht). Es gab auch wie damals üblich eine Eremitage, ein Gartenhaus und diverse Skulpturen. Auf den Karten von 1765 [2] und 1836 [3] sieht man die Entwicklung.
Freilich ist von dem Eindruck, den der Park einst gemacht haben muss, heute nur wenig zu spüren, Zunächst wurde 1856-61 das Staatstheater in der Mitte des Parks gebaut. 18 Jahre nach der Eröffnung wurden im Nordteil des Parks Kulissenhäuser für das Theater gebaut. 1883 wurde durch den Bau des Herzog-Anton-Ulrich-Museums am Südrand auch hier ein Teil der Grünfläche geopfert.
Wiederum zwei Jahre später wurde auch der Herzogliche Küchengarten aufgegeben, um hier Wohnhäuser zu errichten; gleichzeitig wurde die Oker mit einer Straßenbrücke überspannt. Somit ist die Oker nun nicht mehr die Mitte eines großen Parks, sondern die östliche Grenze, während der verbleibende Park in zwei fast vollkommen getrennte Teile zerfällt, den Theaterpark und den Museumspark. Vergleiche die Karten von 1899 [4] und 2021 [5].
Karte
GPX: Theaterpark.gpx
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Bildquellen
- [1] Die Stadt Braunschweig : ein historisch-topographisches Handbuch für Einheimische und Fremde
Heinrich Schröder und Wilhelm Assmann
Gemeinfrei - [2] Braunschweig 1765
Gemeinfrei - [3] Braunschweig mit der Promenade und den daranstoßenden Gärten
Carl Maré, Carl Wilhelm Schenk
Gemeinfrei - [4] Ortsbauplan der Stadt Braunschweig 1889
Friedrich Knoll
Gemeinfrei - [5, Karte] OpenStreetMap
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