Gegenüber dem nordwestlichen Ende des Rosentals befindet sich das Georg-Eckert-Institut (formal auch als Leibniz-Institut für Bildungsmedien bezeichnet). Dass es ausgerechnet in Braunschweig ein solches Institut gibt, ist vielleicht nicht ganz zufällig: Der Westermann-Verlag, der sich über die Zeit Marken wie Schöningh, Schroedel, Diesterweg und Winklers einverleibt hat, hat immer noch seinen Sitz in der Stadt. Seinen Namen hat das Institut nach seinem Gründer, der auch Professor für Geschichte an der damaligen Pädagogischen Hochschule war (die später in der TU aufging). Die Wertschätzung der Stadt für Eckert sieht man auch daran, dass eine Straße in der Innenstadt kurze Zeit nach seinem Tod 1974 nach ihm benannt wurde.
Der spätklassizistische Bau wurde ursprünglich als Sommervilla für den Kammerpräsidenten der herzoglich-braunschweigischen Justizverwaltung, Heinrich Georg Christian Friedrich von Bülow gebaut. Architekt war Carl Theodor Ottmer (der auch für den Alten Bahnhof und das Residenzschloss verantwortlich zeichnet). Nachdem das Grundstück durch diverse private Hände gegangen war, kam es Anfang der 1930er Jahre an die Stadt und wurde ein paar Jahre später in der Rolle einer Schule des Handwerks als nationalsozialistische Kaderschmiede genutzt.

Das Forschungsinstitut wurde 1982 nach einer Entkernung des inzwischen maroden Gebäudes eingerichtet. Seit 2021 ist ein moderner Anbau dazugekommen. Nichts prinzipielles gegen moderne Bauten, aber musste man den so bauen, dass er den Blick auf das alte Gebäude massiv stört? Platz genug hätte es an den benachbarten Schwesternwohnheimen gegeben. Dass das Grundstück mal über einen Hektar groß war und die Villa – wie andere Villen im Wallbereich – in einen großen Park eingebettet war, kann man so nicht mehr wahrnehmen. So sehen die Bemühungen aus, „den Charakter des Braunschweiger Wallrings auch zukünftig zu erhalten“.
Gut fünfzig Meter stadtauswärts kommen wir zur Einmündung in die Rennelbergstraße. Ein Gebirgsbewohner würde sich wundern, was in Niedersachsen alles als Berg bezeichnet wird. Bis ins Mittelalter muss das Gefälle zumindest für einen Bach ausgereicht haben, der von hier über Celler und Lange Straße in die Oker floss. Mit der Anlage des westlichen Umflutgrabens wurde der Bachverlauf „abgeschnitten“.
Im 20. Jahrhundert stand der Name Rennelberg vor allem für die Justizvollzugsanstalt, die 1885 – damals noch unter der Bezeichnung Kreis- und Untersuchungsgefängnis – gebaut worden war. Die Rennelbergstraße führt geradewegs auf die JVA zu und ist sinnigerweise eine Sackgasse.

Ebenso sinnig ist der Name des Hotels hier: Als Wartburg könnte man auch das Gefängnis selbst bezeichnen.

Das denkmalgeschützte Gebäude des Gefängnisses steht seit 2024 leer und wartet auf eine Nachnutzung. Wer hat Ideen für solch ein Gebäude?
Wir kehren zur Celler Straße zurück und biegen nun in die Freisestraße ein…

Hier kommen wir an einem Garten vorbei, in dem man bei genauerem Hinsehen noch einen einstigen Friedhof erkennt. Er gehörte zum Kreuzkloster, das hier 1230 als Nonnenkonvent gegründet wurde. Die Gebäude des Klosters wurden endgültig im Zweiten Weltkrieg zerstört, aber zu der Zeit lebten dort nur noch eine Handvoll Nonnen. Das Gefängnis, das wir vorhin angeschaut haben, wurde auf einem Grundstück errichtet, das ehemals zum Kloster gehört hatte.

Über die Klosterstraße geht es in die Höfenstraße. Baulich ist sie eine wilde Mischung: Einerseits ein paar Fachwerkhäuser, andererseits Nachkriegsbauten ohne erkennbare Straßenflucht, nachträglich in Hinterhöfe gequetschte Mehrfamilienhäuser. Die Straße führt auf ein Friedhofstor zu, das leider meistens geschlossen ist – um den Friedhof zu betreten, müssen wir einen Umweg zum Alerdsweg machen. Der Friedhof gehört der Petrigemeinde und wurde – wie weitere Friedhöfe an der Goslarschen Straße – im 18. Jahrhundert angelegt, als die Kirchhöfe in der Innenstadt geschlossen wurden. Seit der Eröffnung des Hauptfriedhofs an der Helmstedter Straße wird dieser hier nicht mehr belegt. Es sind aber vergleichsweise viele Grabplatten erhalten. Efeu, Löwenzahn und viele kleine Ahornbäume machen den Park zu einem romantischen Ort, der in seltsamem Kontrast zum Kindergejuchze auf dem direkt angrenzen Spielplatz steht.

Wieder zurück zur Goslarschen Straße gehen wir Richtung Süden. Die neobarocke Kirche St. Jakobi wurde 1909-1911 gebaut. Architektonisch hebt sie sich deutlich ab von den historistischen Kirchenbauten im östlichen Ringgebiet. Da zu der eigentlichen Kirche auch noch im gleichen Stil gebautes Pfarr- und Gemeindehäuser sowie ein 60 m hoher Turm gehören, schauen wir auf ein imposantes Gebäudeensemble.

Über Tuckermannstraße und Königstieg gelangen wir zur Holwedestraße. An der Ecke das Havanna, in dem man im Sommer schön unter alten Linden sitzt. Der Blick kann man von hier über die schöne Fassade des gegenüberliegenden Gebäudes wandern. An den Motiven erkennen wir deutlich, dass es ursprünglich als Kinderheim errichtet worden ist. Das war 1903, und Architekt war Max Osterloh, der z.B. auch für das Städtische Museum am Löwenwall verantwortlich zeichnet. Das Kinderheim ging allmählich in dem Krankenhaus auf, das lange Zeit Holwede-Klinik genannt wurde, und das hauptsächlich aus Nachkriegs-Bauten bestand. 1956 wurde das Kinderheim schließlich aufgelöst. Das Städtische Klinikum bestand lange Zeit aus vier Standorten: nachdem 2011 der an der Gliesmaroder Straße geschlossen wurde, geschah das im Dezember 2024 mit dem an der Holwede-Straße. In Zukunft wird das Städtische Klinikum nur noch die beiden Standorte an der Salzdahlumer und an der Celler Straße betreiben.

Wieder an der Goslarschen Straße kommen wir abermals an einem einstigen Friedhof vorbei: den der Martini-Gemeinde. Er ist licht und übersichtlich, in gewisser Weise ein Gegenentwurf zum Petri-Friedhof. Nur wenige Grabmäler sind erhalten.

Schließlich erreichen wir den Madamenweg. Die Straße dürfte zu den längsten der Stadt gehören: sie erstreckt sich fast geradlinig vom Umflutgraben im Osten bis zum Raffteichbad im Westen. Die Bebauung ist – wie typisch im westlichen Ringgebiet – sehr divers.
Die Straße ist im Grunde alt und war Handels- und Heerstraße nach Vechelde und Hildesheim. Als überregionale Verbindung ist aber aber nur noch die B1 bedeutsam. Für den üblichen Namen gibt es eine Legende: In zweiter Ehe war Herzog Rudolf August (1627–1704) mit einer Bürgerlichen verheiratet, die als Sommersitz ein Schloss ein Vechelde bekam (wovon nur der barocke Park erhalten ist). Sie sogenannte „Madame Rudolfine“ soll über diesen Weg zwischen dem Schloss in Vechelde und dem Grauen Hof in Braunschweig gependelt sein, der daraufhin von der Bevölkerung den Namen Damen- oder Madamenweg erhielt. Mich würde die Geschichte mehr überzeugen, wenn es zu der Zeit in Braunschweig ein standesgemäßes Schloss gegeben hätte: der Herzog wird sich wohl öfter in seiner Residenz in Wolfenbüttel aufgehalten haben.
Von der Innenstadt aus das erste Haus auf dem Madamenweg ist eine um 1900 errichtete Polizeistation.

Karte
GPX: Celler-Straße_Am-Hohen-Tore.gpx
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Bildquellen
- [Karte] OpenStreetMap
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