Nîmes-Straße – Bürgerpark – Augusttorbrücke

Vom Lessingplatz kommend kann man südwärts spazierend die Phasen nachvollziehen, in denen der Bürgerpark entstanden ist. Zunächst durchquert man den Kiryat-Tivon-Park, der durch das Steigenberger Parkhotel nach Süden begrenzt ist. Den Namen hat der Park erst seit 1996 in Gedenken an die Städtepartnerschaft mit der israelischen Stadt Kiryat Tivon.

Kiryat-Tivon-Park

Nach dem Schleifen der Wallanlagen ließ der Kaufmann Rönckendorff hier 1805 einen Park anlegen. 1836, also kurz vor dem Bau des Alten Bahnhofs, sah diese Gegend so aus [1] im Vergleich zu heute [2].

Karte 1836
Karte 2021

Der sogenannte Rönckendorffsche Garten wurde 1862 von der Eisenbahn-Direktion angekauft. Das allmähliche Wachstum des Bahnhofs war der Grund dafür, dass die Oker sichtbar nach Osten verlegt wurde.

1864 wurde das Wasserwerk gebaut, dessen Turm man heute vom Park aus über Teich und Hotel hinweg sehen kann. Hier wurde Flusswasser aus der Oker entnommen, in Klärteichen auf der linken Okerseite ließ man Fremdstoffe absinken, um das Wasser dann in das Trinkwassernetz einzuspeisen. Später (1886) wurden die Klärteiche durch die Teiche ein paar Kilometer weiter südlich ersetzt, an denen heute das Kennel-Bad liegt. Noch später stellte man die Nutzung von Okerwasser komplett ein – seitdem wurde erst Grundwasser gehoben, dann Wasser direkt aus dem Harz bezogen. Den Turm hat man bewusst neugotisch gestaltet in Anlehnung an das Aussehen vieler Kirchtürme. Seit 2014 steht auf dem Turm der 4m hohe „Türmer“.

Turm des Wasserwerks

Im Auftrag der Eisenbahngesellschaft gestaltete Friedrich Kreiß den Park 1868/69 in einen öffentlich zugänglichen Park um. Fortan wurde dieser Eisenbahnpark genannt. In dieser Zeit entwickelte Kreiß den Plan, diesen Park deutlich nach Süden auszudehnen, nämlich bis zur Okergabelung in den westlichen und östlichen Arm. Erst 1886 konnte er anfangen, diesen Plan umzusetzen, was bis 1889 dauerte.

Wir überqueren erst einmal den westlichen Okerarm Richtung Volkswagen-Halle. Auch diese Brücke hat seit 2009 ihren Namen nach einer Städtepartnerschaft, in diesem Fall mit der tunesischen Stadt Sousse.

Das Areal westlich der Oker, wo wir uns jetzt bewegen, wurde dem Bürgerpark 1974 hinzugefügt. Inzwischen war 1960 der Hauptbahnhof in den Südwesten der Stadt versetzt worden, so dass nach Abräumen der alten Gleisanlagen der Platz hier verfügbar wurde.

Einige hundert Meter weiter südlich überqueren wir den Okerarm in die andere Richtung. Die Brücke hier – nicht für Radfahrer geeignet – heißt seit 2020 Bandungbrücke, nach der indonesischen Partnerstadt Braunschweigs. Jetzt befinden wir uns wieder im ursprünglichen Bürgerpark.

Markantester Punkt dieses Teils ist der Portikusteich mit dem Portikus. Der Portikus war ursprünglich ein von Peter Joseph Krahe entworfenes Portal der Hauptwache am Augusttor, das vor deren Abriss gerettet werden konnte [3].

Augustwache

Eine Ironie der Geschichte: im zweiten Weltkrieg wurde der Portikus schwer beschädigt: von ursprünglich sechs Säulen stehen nur noch drei vollständig. Was man heute sieht, ist also eine tatsächliche Ruine, im Unterschied zu den absichtsvoll ruinenhaft gestalteten Bauwerken, die man in anderen englischen Parks sieht.

Portikus

Vom Portikus hat man einen hübschen Ausblick auf die direkt angrenzende Okerverzweigung.

Verweigung der Oker

Offenbar sah man nach Eröffnung dieses Parkteils in der Stadt, was man daran hatte. Als Kreiß eine weitere Erweiterung bis zur Eisenbütteler Straße vorschlug, wurde dem alsbald zugestimmt, so dass zwischen 1891 und 1900 dieser neue Abschnitt weitgehend fertiggestellt wurde – einige Arbeiten dauerten aber auch danach noch an. In diesem dritten Abschnitt befindet sich ein weiterer künstlich angelegter Teich.

Südlicher Teich von Westen

Die Hoheworthbrücke führt nach Westen aus dem eigentlichen Park heraus an einer Kleingartenanlage vorbei. Seit ihrer Erneuerung 2019 ist sie barrierefrei.

Hoheworthbrücke

Kurz dahinter stoßen wir auf den Kreißberg, der sich ca. 20 m über das Okerniveau erhebt.

Kreißberg (links im Hintergrund)

Schon vorher waren Flächen mit Schutt aufgefüllt worden, da sie regelmäßiges Überschwemmungsgebiet der Oker waren. Auch der Berg wurde über einen längeren Zeitraum im wesentlichen aus Bauschutt und Abfall angehäuft.

Nach halber Umrundung des südlichen Teichs…

Südlicher Teich von Osten im Winter

…gelangen wir zu einer Tennisanlage. Die Anlage, die entgegen den ursprünglichen Planungen mitten in die Parkanlage gepflanzt wurde, ist von 1900, die Tennishalle von 1906. Zusammen mit der Tennisanlage wurde ein Rokoko-Haus von der Goslarschen Straße hierhin verpflanzt. Dieses hat allerdings den Krieg nicht überlebt.

Eingang zur Tennisanlage

Von hier bewegen wir uns Richtung Norden zur Hennebergstraße, von wo aus wir zur Wolfenbütteler Straße gelangen.

Karte

GPX: Bürgerpark.gpx

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