Jasperallee – Botanischer Garten – Jasperallee

Wir beginnen in der Jasperallee in der Nähe der Okerbrücke und biegen in die Moltkestraße ein. Zunächst kommen wir an ein paar Gründerzeit-Bauten vorbei, die mit ihrem Garten an die Oker grenzen. An der nächsten Kreuzung ändert sich das Bild vorübergehend. Die Moltke- wird zur Wiesenstraße. An der Kreuzung zur Steinbrecherstraße kommen wir an der Gaststätte „Zu den Vier Linden“ vorbei. Sie ist eine der ältesten noch bestehenden und wartet mit rustikaler Küche wie Berliner Blutwurst und Hoppelpoppel auf (aber anderes fehlt nicht).

Zu den Vier Linden

Gegenüber gibt es ein Buchcafé, diagonal gegenüber eine Spielekneipe – das ist die Vielfalt des östlichen Ringgebiets. Historisch interessant ist an dieser Ecke noch etwas anderes: hier gab es eine Molkerei. 1880 taten sich Landwirte zusammen, um Milchprodukte ohne den Umweg über Zwischenhändler zu vermarkten. Neben Milch und Sahne wurde Butter und Käse produziert und mit Verkaufswagen an den Mann gebracht. Das Wasser für die Kühlung kam aus einem Brunnen direkt auf dem Grundstück. 1938 zog die Molkerei an die Frankfurter Straße.

Spielekneipe

Die Steinbrecherstraße hieß damals übrigens noch Hagenstraße. Gustav Steinbrecher war Minister im Kabinett von Heinrich Jasper zur Zeit der Weimarer Republik. Er starb im KZ Mauthausen.

Die Steinbrecherstraße ging aus dem Zweiten Weltkrieg im Vergleich zur Wiesenstraße deutlich glimpflicher hervor.

Steinbrecherstraße

Die Humboldtstraße wurde im Laufe der 1890er Jahre bebaut und spiegelt den Stil dieser Zeit wieder. Anders als bei der Gliesmaroder Straße, die schon lange vorher Ausfallstraße nach Osten gewesen war, hatte man hier noch weitgehend unbebautes Gelände.

Humboldtstraße (Nordseite)
Humboldtstraße (Südseite)

Ein Kleinod ist der Lindenhof von 1908 an der Ecke Humboldtstraße/Kasernenstraße. Niedergebrannt im Zweiten Weltkrieg wurde zunächst nur ein Notdach aufgesetzt. Das Provisorium blieb lange. Erst nach vielen Jahrzehnten wurde das Haus nach einer Sanierung durch ein Tangolehrer-Paar 2023 wiedereröffnet, bis in die Details, wie z. B. die Gauben des Eckturms, wieder hergestellt.

Lindenhof

Über den Bültenweg gelangen wir zum Botanischen Garten. Dieser wurde hier 1840 angelegt, nachdem der vorherige Standort auf der gegenüberliegenden Okerseite zu klein geworden war.

Künstlicher Wasserfall im Botanischen Garten

Der schluchtartige Bereich an dem künstlichen Wasserfall hier geht auf einen Flößerkanal der zwischen Gliesmaroder und Karlstraße Richtung Osten verlief und nahe dem Gliesmaroder Turm in die Mittelriede mündet. Er wurde Mitte des 18. Jahrhunderts, also ungefähr zur gleichen Zeit angelegt wie der Fuhsekanal, der vom Südsee Richtung Westen verläuft. Über Schunter, Mittelriede und diesen Kanal wurde Holz und Material für die zu dieser Zeit angefangene Straßenpflasterung aus dem Elm nach Braunschweig transportiert.

Auch noch aus dieser Zeit stammt der Pavillon, der dem Verwalter des Holzhofs als Wohnung diente.

Pavillon im Botanischen Garten

Von hier sieht man auf der anderen Seite der Humboldt-Straße Häuser, die für Soldatenfamilien der dahinter befindlichen (im Krieg zerstörten) Kaserne gebaut wurden. Zu dieser Zeit hat man Kasernen noch mit architektonischen Ambitionen bauen lassen, denn entworfen hatte sie – kurz nach dem Alten Braunschweiger Bahnhof – kein Geringerer als Carl Theodor Ottmer.

Botanischer Garten, Blick nach Süden

Vor dem Haupteingang des Botanischen Gartens – gleich neben dem Torhäuschen – gibt es ein denkmalgeschütztes Pissoir. Das Innere ist modern, allerdings nur für Männer gedacht, ebenso wie das historische Pissoir am Staatstheater. Das scheint ein Muster ein Braunschweig zu sein: in anderen öffentlichen Toilettenanlagen ist es so, dass Männer umsonst dürfen, Frauen aber bezahlen sollen, wenn sie müssen. Seltsam, dass sich niemand gegen diese Diskriminierung engagiert.

Pissoir

Auf der anderen Seite der Humboldtstraße geht es in den Erweiterungsteil des Botanischen Gartens. Dieser wurde auf einem Gelände angelegt, das erst 1995 gekauft wurde. Dieser Teil ist merklich eher auf Forschung ausgerichtet als der alte. Dennoch lohnt sich auch dieser Teil, vor allem wegen des Blicks auf die Oker.

Durch den Südausgang kommen wir zur Kasernenstraße, die uns wieder zur Moltkestraße bringt.

Karte

GPX: Botanischer_Garten.gpx

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