Augusttorwall

Wenn wir von dem vorherigen Spaziergang zum Alten Bahnhof kommen, kann es vom Friedrich-Wilhelm-Platz auf der Nordseite des Bruchtorwalls weitergehen. Das Bild ist sehr durchmischt. Viel wurde im Krieg zerstört, manches ist noch in Bruchstücken übrig.

Bruchtorwall

Wenn wir am Ende des Bruchtorwalls die mehrspurige und vielbefahrene Straße überqueren, stoßen wir auf der südlichen Seite bald auf die klassizistische Villa „Salve Hospes“ (Sei gegrüßt, Gast). Dieses Schmuckstück wurde von Peter Joseph Krahe entworfen, der auch für einen Großteil der Landschaftsarchitektur der Wallanlagen verantwortlich zeichnet.

Villa Salve Hospes von vorne

Gebaut wurde es zwischen 1805 und 1808 auf einem Gelände von 4,5 ha Größe für einen Getreide- und Hopfenhändler namens Krause. In einem so großen Garten konnte Krahe einen regelrechten englischen Park einrichten, zu dem auch ein Teich gehörte, der sich natürlich aus einem einstigen Graben der Befestigungsanlagen ergab. Der Park war erst als Krausescher Garten, dann als Hollandts Garten (nach Krauses Adoptivtochter und deren Ehemann Hollandt) bekannt.

Wie sehr sich der südliche Rand der Innenstadt seitdem verändert hat, kann man in einer Art Reiseführer von Schröder und Assmann nachlesen [1]:

Über die von der Oker durchschlängelten Wiesen hinaus erblickt man die neue
Herzogliche Villa vor dem Augustthore und hinter ihr das liebliche Richmond.

Damals muss diese Niederung beinahe baumfrei gewesen sein! Heute ist dieser Blick nicht nur von den Bäumen des Bürgerparks versperrt, sondern auch durch einen hohen Eisenbahndamm. Einen Blick in umgekehrter Richtung aus der Nähe von Schloss Richmond nach Nord findet man z. B. auf einem Gemälde von Pätz [2]:

Blick von Richmond auf die Stadt

Zu Lebzeiten Krauses war der Park an mehreren Tagen in der Woche für die Öffentlichkeit zugänglich – ein Wunsch, den er testamentarisch festhielt. Leider fühlten sich seine Erben nach und nach nicht mehr daran gebunden. Als das Anwesen 1927 in den Besitz der Stadt geriet, wurde ein wesentlicher Teil des Parks in das Stadtbad umgewandelt und der Teich später zugeschüttet. Das Hauptgebäude wird nach verschiedenen anderen Verwendungen heute vom Kunstverein für Ausstellungen genutzt und ist immer noch eines der schönsten Gebäude der Stadt. Im Innenraum ist es vor allem das Vestibül, das seinen eigenen Reiz bewahrt hat, während die Ausstellungsräume den Kunstwerken ihren Freiraum lassen.

Villa Salve Hospes Detail Innenraum I
Villa Salve Hospes Detail Innenraum II

Der Garten ist aber auf eine kleine Rasenfläche zusammengeschrumpft.

Villa Salve Hospes von hinten

Auf dem ursprünglich gleichen Gelände befindet sich auch die Villa Hörstel, die Krause für eine zweite Adoptivtochter und deren Ehemann errichten ließ. Gebaut wurde sie 1835/36 im „anglogermanischen Styl“ nach Plänen von Krahes Sohn Friedrich Maria. Hier residiert heute die Städtische Musikschule.

Villa Hörstel von der Seite

Allerdings hat das Gebäude strukturell wenig mit dem ursprünglichen zu tun:
der verspielte Turm und der dahinterliegende Gebäudeteil stammt von 1901. Der heute der Straße am nächsten stehende Flügel stellte ursprünglich die Symmetrieachse dar, was man aber nicht mehr sieht, da der nördliche Teil dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel.

Wenn man auf der Oker paddelt, bekommt man übrigens auch einen Blick auf das Gebäude von der Wasserseite.

Villa Hörstel von hinten

Karte

GPX: Augusttorwall.gpx

Weiter geht’s
Bildquellen