Königslutter

Königslutter hieß ursprünglich – wie der am Rande entspringende Fluss – Lutter. Sein Anfang liegt im Dunkeln, aber im 11. Jahrhundert war es zumindest ein größeres Dorf, 1150 wurde es erstmals urkundlich erwähnt. Der Name Königslutter wurde schon früh, aber auch gleichzeitig mit dem alten Namen verwendet.

Wir beginnen einen Rundgang nördlich der Innenstadt, wo noch ein Stück der Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert erhalten geblieben ist. Nach ihr ist hier auch ein Abschnitt der B1 benannt. Ursprünglich hatte die Mauer nur den Markt und die Marktstraße umschlossen.

C'est Lavie

Auf der Westernstraße wird man keinen Saloon finden: ihren Namen hat sie vom Stadttor im Westen des Marktplatzes, durch das man Richtung Braunschweig kam. Heute ist sie die Hauptgeschäftsstraße. Leider gehören die Läden größtenteils eher zu der Billigkategorie, die man in Städten im Niedergang findet, obschon sich Häuser und Pflasterung in tadellosem Zustand befinden.

Westernstraße

Zu den ältesten Gebäuden der Stadt zählt die Marktkirche St. Sebastian und Fabian. Der Turm stammt aus dem 12. Jahrhundert, die anderen Bestandteile wurden im wesentlichen bis zum 14. Jahrhundert neu errichtet. Die barocke Haube ist dagegen erst aus dem 17. Jahrhundert.

In den beiden Häuser im Vordergrund sitzt heute die Stadtverwaltung. An der Stelle des hellgelben stand schon vor dem Gebäude von 1831 das Rathaus, das orangefarbene gehörte früher zur Stadtkirche.

Marktplatz

Wichtiger Exportartikel für Königslutter war Bier. So gab es zahlreiche Brauhäuser in der Stadt. Dazu gehören das heutige „Zum Landsknecht“ am Gänsemarkt ebenso wie die heutige Stadtbücherei an der Ecke Kattreppeln/Sack.

Zum Landsknecht
Ecke Kattreppeln/Sack

Duckstein ist heute noch der Name einer Biermarke. Ihren Namen hat sie von dem Kalktuff, auf dem die ganze Altstadt steht – ein Begriff, der regional eigentlich nur recht eingeschränkt verwendet wird. Gebraut wird Bier dieser Marke allerdings nicht mehr in Königslutter, sondern im fast 200 km entfernten Lübz. Von Carlsberg, einem dänischen Konzern.

Der Sack steigt nach Süden deutlich an. Früher war das höher gelegene Oberlutter ein von Königslutter unabhängiger Ort.

Sack

Die Fachwerkhäuser in der Breiten Straße stammen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Vergleich zur Markstraße wohnten hier eher arme Bevölkerungsschichten.

Breite Straße

Von der Mündung der Breiten Straße in Kattreppeln führen Schöppenstedter Straße und „Am Plan“ zum Kaiserdom. Das Portal wird von zwei Löwen getragen. Man kann mit dem Widder in den Fängern des einen mitfühlen.

Löwenportal I
Löwenportal II

Initiiert wurde der Dombau 1135 von Lothar von Süpplingenburg, der als Lothar III. Kaiser des römisch-deutschen Reiches war. Lothar war auf der Burg Süpplingenburg östlich von Königslutter aufgewachsen, die im 19. Jahrhundert dem Boden gleich gemacht wurde. Er ist auch mit Braunschweigs Geschichte eng verbunden, denn Lothars Tochter Gertrud war die Mutter Heinrichs des Löwen. In dem Dom sind Lothar, seine Gattin Richenza und sein Schwiegersohn Heinrich der Stolze bestattet.

Kaiserdom

Der Kaiserdom heißt nicht Dom, weil er Bischofssitz wäre – das ist er nie gewesen. Er wurde als Abteikirche eines Benediktinerklosters gestiftet. Seine Patrone sind die Heiligen Peter und Paul. Mit Einzug der Reformation 1542 wurde die Kirche Pfarrkirche der Gemeinde Oberlutter.

Die großartige Bemalung des Innenraums, die man als so charakteristisch für den Kaiserdom wahrnimmt – zumal im Vergleich zu vielen farblich sehr schlichten romanischen Kirchen – stammt aus dem 19. Jahrhundert. Sie wurde von August Essenwein entworfen und 1887 – 1894 von Adolf Quensen ausgeführt. Es ist sicherlich kein Zufall, dass just in diesem Zeitraum die Burg Dankwarderode in Braunschweig rekonstruiert wurde, als ein weiteres Bauwerk aus romanischer Zeit. Auch die Braunschweiger Burg ist von Quensen ausgemalt worden. Und so wie Ludwig Winter die Architektur „seiner“ Burg Dankwarderode für eine stilgetreue romanische Reproduktion hielt, wird Quensen seine Malerei für eine stilgemäße romanische Wandmalerei gehalten haben.

Bemalung des Doms I
Bemalung des Doms II

An den Kirchenraum schließt sich ein sehr sehenswerter Kreuzgang an. Nur der Nordflügel mit vielfältig ornamentierten Säulen und der Westflügel sind erhalten.

Nördlicher Kreuzgang

Die Apsis beeindruckt mit einem fantasievoll gestalteten Jagdfries. Ob der Bildhauer bei seinen den Jäger fesselnden Hasen einfach seinem Humor freien Lauf lassen durfte oder ob die Szene theologisch begründbar ist?

Jagdfries I
Jagdfries II

Südlich des Doms steht die sogenannte Kaiser-Lothar-Linde. Der Stamm des imposanten Baums hat einen Umfang von mehr als 12 Metern. Er ist teilweise hohl, größere Äste werden durch Seile zusammengehalten oder abgestützt. Der Legende nach wurde die Pflanzung des Baum von Kaiser Lothar selbst beauftragt. Trotz Alter und Gebrechen macht er immer noch einen vitalen Eindruck.

Kaiser-Lothar-Linde

Auf dem Areal südlich des Doms standen früher die Klostergebäude. Genau hier wurde 1865 die Herzogliche Heil- und Pflegeanstalt eröffnet, in der zentral alle psychisch Erkrankten des Herzogtums untergebracht und – wo möglich – behandelt werden sollten. In den nächsten beiden Jahrzehnten wuchs die Anzahl der hier untergebrachten Kranken auf über 400, und es wurden weitere Gebäude errichtet, so die am westlich gelegenen Herzogberg befindlichen Einzelvillen, in denen Patienten hinter offenen Türen leben konnten.

Heute ist aus der Anstalt das AWO Psychiatriezentrum geworden mit einem weiteren mehrstöckigen Gebäude. Das Gebäude aus den 1860er Jahren kann man aber immer noch ohne weiteres erkennen [1] (die Karte ist nach Süden ausgerichtet).

Plan der Heil- und Pflegeanstalt

Westlich des Doms kommt man in den Berggarten. Anscheinend wurde er im Zusammenhang mit der Anstalt noch vor 1890 angelegt. Seltsamerweise findet er in dem Bericht des Direktors aus der Zeit im Gegensatz zu anderen baulichen und landschaftsgestalterischen Entwicklungen keinerlei Erwähnung. Die Mauer, die das ursprüngliche Anstaltsgelände umgibt, trägt noch zu dem abgeschiedenen Gepräge des beschaulich gelegenen und von der Lutter durchflossenen Geländes bei.

Berggarten

Nach Verlassen des Berggartens kommen wir über eine Brücke zum hangwärts gelegenen Teil der Anstalt. Nach einem Schlenker gehen wir weiter der Lutter entlang Richtung Südwesten. Das Gebiet hier ist sehr idyllisch. Der Teich wurde im 19. Jahrhundert für die Heil- und Pflegeanstalt angelegt; im Gegenzug wurde das umgebende sumpfige Gelände trockengelegt.

Tümpel an der Lutterquelle

Die Quelle des Bachs, der Königslutter seinen Namen gegeben hat, besteht aus mehreren Quelltöpfen. Einer davon wurde schon im 18. Jahrhundert baulich gefasst.

Brunnenhaus der Lutterquelle

Zurück von der Lutterquelle führt der Weg an der Anstaltsmauer entlang zum Glockenkamp. Anders als der Berggarten hinter der Mauer ist der Park licht und heiter.

Ententeich am Glockenkamp

Die Treppe hier bringt uns zur Stiftsstraße, von wo die schmale Schneidegasse zurück zu „Am Plan“ führt.

Stiftsstraße

Der Weg zurück ins städtische Königslutter führt über die Schöppenstedter Straße und Kattreppeln. Wie bei der gleichnamigen Straße in Braunschweig gibt es diverse Theorien zum Ursprung des Namens, aber mich hat keine davon überzeugen können, denn angesichts des Straßennamens Kattrepel, der in und bei Hamburg vorkommt, scheint es unplausibel, dass der Name eine einzigartige Lokalgeschichte hat.

Schließlich biegt die Neue Straße nach Norden ab. An der Neuen Straße siedelten im 15. Jahrhundert Bauern aus dem wüst gefallenen Dorf Schoderstedt nordwestlich von Königslutter. Dadurch wuchs die Stadt über ihr ursprünglich kleines Gebiet hinaus, und die Stadtfestigung wurde erweitert. Heute deuten noch Namen wie Wallstraße und Am Mauernkamp auf die einstige Befestigung hin.

An der Mittelgasse finden sich vor allem Häuser von Kleinverdienern und Tagelöhnern.

Mittelgasse

Weiter an der Neuen Straße entlang erreichen wir schließlich wieder die Westernstraße und die dahinterliegende Stadtmauer.

Karte

GPX: Königslutter.gpx

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