Univiertel

Ein heißer Favorit auf den Spitzenplatz unter den hässlichsten Gebäuden der Stadt ist zweifellos das TU-Gebäude an der Mühlenpfordtstraße. Es wurde Mitte der 1970er Jahre gebaut, etwa zur gleichen Zeit wie das Studentenwohnheim an der Ecke zum Rebenring, das viele manch einer als eher abschreckend wahrnimmt, das aber zumindest ein architektonisches Konzept aufweist.

TU-Gebäude Mühlenpfordtstraße

Etwas versteckt liegt ein Bauwerk des Namensgebers der Straße, Carl Mühlenpfordt. Es ist das Hochspannungsinstitut, das 1927/28 gebaut wurde. Auffällig sind vor allem die Backsteine mit ihrer Farbe, die man sonst noch an dem AOK-Gebäude an der Fallersleber Straße findet. Das „elenia – Institut für Hochspannungstechnik und Energiesysteme“ gibt es noch heute in dem Gebäude, aber der Schwerpunkt ist wohl eher auf aktuelle Themen wie Elektromobilität und Energieversorgung gewandert.

Mühlenpfordt war ab 1914 Professor an der TU, von 1925 und 1929 Rektor, eine Zeit, die er für die Expansion der elektrotechnischen Institute nutzte. Nach ihm wurde 1946 die Mühlenpfordt-Straße benannt, die vorher lediglich der südliche Abschnitt der Hamburger Straße gewesen war.

Hochspannungsinstitut

Das neueste Gebäude in diesem zentralen Bereich ist das Studierendenhaus im Vordergrund nach Plänen von Gustav Düsing und Max Hacke. Im Januar 2023 fast drei Jahre nach Baubeginn eröffnet, gefällt mir vor allem das durchlässige Erscheinungsbild, das einen schönen Kontrapunkt zum Hauptgebäude bildet (zu dem wir nachher noch kommen werden).

Okerhaus und Studierendenhaus

Im Hintergrund dieses Bildes sieht man das Okerhaus von Dieter Oesterlen von 1957/58, ein Hochhaus mit 17 Geschossen. Es ist lediglich 10 m breit!

Sehenswert ist die Gaußstraße mit ihren Villen.

Gaußstraße

Dass ein Haus keine großartige Außenarchitektur braucht, um einen schönen Innenraum zu haben, zeigt das Troja, eins der Restaurants, die man immer reservieren sollte.

Troja

Schmuckfreudig zeigt sich die Grundschule Bültenweg von 1881 an der Ecke Spielmannstraße. Der Plan davor kam von Ludwig Winter, der auch für die Rekonstruktion der Burg verantwortlich ist. Von ihm gibt es im Stadtgebiet einige andere Schulbauten (z. B. Leonhardstraße, Sidonienstraße, Sophienstraße), die alle einige Ähnlichkeit aufweisen, aber nur dieser nutzt seine Lage an der Straßenecke so geschickt aus.

Grundschule am Bültenweg

Der Name Spielmannstraße (ursprünglich Spielmannstwete) deutet nicht etwa auf einen Professor Spielmann hin, sondern geht der Legende nach auf die Spielleute – also Musiker – zurück, die auf ihrem Weg zum Exerzierplatz (zwischen dem heutigen Rebenring und der Constantin-Uhde-Straße) hier durchzogen.

Am westlichen Ende der Straße gehen wir zwischen Audimax und einem anderen TU-Gebäude hindurch auf den Universitätsplatz, wo sich der Blick auf das gegenüberliegende Hauptgebäude der TU öffnet.

Das 1877 bezogene Hauptgebäude der damaligen Herzoglich Technischen Hochschule Carolo-Wilhelmina wurde von Constantin Uhde entworfen. Die Hochschule ging hervor aus dem schon 1745 gegründeten Collegium Carolinum.

Gebaut wurde eine vierseitige Anlage mit Innenhof, einem Barockschloss nicht unähnlich. Im Krieg wurde das meiste davon vernichtet. Der südliche Flügel wurde nicht wieder aufgebaut, der westliche nur sehr stark verändert. Es ist eher Zufall, dass ausgerechnet die imposante 100 m lange Hauptfassade so gut erhalten ist. Das Okerhochhaus, das wir schon vorher gesehen haben, wurde leider quer zum einstigen Südflügel so gebaut, dass die ursprüngliche Form des Hauptgebäudes nicht mehr wiederhergestellt werden kann.

Hauptgebäude der Technischen Universität

Das Ensemble gegenüber dem Hauptgebäude wurde von Friedrich Wilhelm Kraemer entworfen und Audimax und Rektoratsgebäude zwischen 1959 und 1961 gebaut. Kraemer war Assistent von Mühlenpfordt gewesen, der wiederum unter anderem bei Uhde Architektur studiert hatte. Es gibt hier also eine Reihe, allerdings gibt es nach dem historistisch denkenden Uhde (krassestes Beispiel das Bankhaus Löbbecke neben der Martinikirche) einen Bruch, während man zwischen Mühlenpfordt und Kraemer eine Kontinuität sehen kann, eine neben dem Bauhaus laufende Braunschweiger Entwicklung.

Audimax der TU

Der „Wolkenzug über nachtschwarzem Himmel“ am Audimax stammt von Hans Arp. Nanu, denkt man, wo ist hier der nachtschwarze Himmel? Tatsächlich war der kubische Hörsaal bei seiner Eröffnung dunkelanthrazit, während die Wolken aluminiumfarben waren. Beim Weiterbau des Forums wurde es notwendig, die Bibliothek (1969-71) hell zu gestalten, weswegen Kraemer der Einheitlichkeit halber auch den Kubus in heller Farbe erscheinen lassen wollte. Dies wiederum hätte die Wolkenskulptur sinnlos erscheinen lassen, wenn sie nicht dunkel gefärbt worden wären. Dafür war die Einwilligung der Witwe von Hans Arp notwendig, denn auch ein solches Kunstwerk unterliegt dem Urheberrecht.

Wolkenzug über nachtschwarzem Himmel

Nun biegen wir in die Schleinitzstraße ein, die einige Jahre nach Errichtung des Hauptgebäudes bebaut wurde. Im Vergleich zu den meisten anderen Häusern aus dieser Zeit unterscheiden sich diese dadurch, dass sie zum einen nicht frei stehen, zum anderen einen schmalen Vorgarten haben.

Schleinitzstraße

Karte

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